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Weil Geld kein Gewissen hat

TRINK- UND SANITÄRWASSER

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Meine Einleitung überlasse ich Philippe Rekacewicz, der sich im Jahre 2005 in einem fundierten Beitrag zum „Wasser als Wirtschaftsgut?“ geäussert hat.

„…Vor der industriellen Revolution konnte jeder Mensch so viel Wasser entnehmen und benutzen, wie es seinen Bedürfnissen entsprach. Während aber um 1800 erst 1 Milliarde Menschen auf der Erde lebten, waren es um 1900 schon 2 und Ende 2004 bereits 6,4 Milliarden. Der Bevölkerungsdruck der letzten Jahrzehnte hat dazu geführt, dass die Wasserentnahme und -nutzung ein konzertiertes Handeln der Allgemeinheit erfordert.

Die Wassermultis – Suez Environement, Véolia, Saur, RWE Thames Water und Bechtel – bemühen sich intensiv darum, die gewinnträchtigen Wasserversorgungsverträge an sich zu reissen, wo immer auf der Welt ein Staat – aus freien Stücken oder gezwungenermassen – den Wassermarkt öffnet. Aktive Unterstützung erhalten sie dabei von der Weltbank und vom Internationalen Währungsfonds, die ihre Finanzhilfen für Länder der Dritten Welt regelmässig von der Privatisierung der Wasserversorgung abhängig machen. …“  Ganzer Artikel unter: http://www.wasser-symposium.ch/meldungen/mehr.php?id=44

Mehrere Weltkonzerne liefern sich ein Wettrennen um die besten Trinkwasserquellen der Welt – allen voran Coca Cola, Pepsi und Nestlé, der größte Lebensmittelhersteller der Erde. Auch in Deutschland wird die Wasserversorgung immer mehr von privaten Unternehmen übernommen. Die EU plant nun, den Markt zu öffnen. Die Versorgung mit Trinkwasser soll europaweit ausgeschrieben werden – doch dagegen regt sich in der EU massiver Widerstand. Eine europäische Initiative von Bürgern und Organisationen fordert, Wasser und sanitäre Grundversorgung als Menschenrecht anzuerkennen und stellt sich gegen die Privatisierung der Wasserversorgung.  Infos unter: http://www.right2water.eu/de/node/37/view

Ich möchte eine öffentliche Debatte über die Wasserpolitik in der Schweiz führen. Es scheint mir dringend, die Ereignisse im Ausland wahrzunehmen und mit Weitblick zu analysieren, Szenarien für die Schweiz hinsichtlich Vorteilen und Risiken zu evaluieren und damit eine breite gesellschaftliche Auseinandersetzung mit diesem existentiellen Thema in Gang zu setzen.

Bis vor kurzem haben wir an das Credo  „Privatisierung = mehr Wohlstand für alle“ geglaubt. Mit den Bankenkrisen seit 2008 wissen wir es besser: Gewinne werden privatisiert, Verluste sozialisiert.

Mit Blick auf unsere benachbarten Länder Frankreich und Deutschland zeigt sich, dass Wasser in privater Hand zu Problemen führt. Die Privatisierung dieses Sektors bringt einer Kommune zwar kurzfristig Geld ein, kann für die Bürger mittelfristig aber negative Folgen haben, unter anderem steigende Wasserpreise, abnehmende Qualität des Wassers und unzureichende Wartung des Leitungsnetzes. An einigen Orten hat das bereits dazu geführt, dass privatisierte Wasserversorgungsbetriebe von Kommunen zurückgekauft werden mussten. Prominenteste Beispiele sind Paris und Berlin. Mehr unter: https://youtu.be/ROJJlsSxPvk und https://youtu.be/2vO9yupax2 und http://berliner-wassertisch.info/?s=Paris

 

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